Herausforderung Außentreppe

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Denkt man im Außenbereich an Fliesen- und Natursteinbeläge, so verbindet man damit meist Balkone und Terrassen. Für alle Beteiligten, ob Verleger oder Planer, ist es unstrittig, dass diese Flächen zu den am stärksten beanspruchten Belagskonstruktionen überhaupt zählen. Hier ist sehr viel Erfahrung und Wissen gefordert, um eine dauerhafte und schadensfreie Konstruktion herzustellen. Ein Bereich der hochbelastbaren Außenbeläge wird hierbei oft sträflich vernachlässigt: Die Außentreppen.

Außentreppen sind die Visitenkarten von Gebäuden und deren Eigentümer. Dies gilt vor allem für repräsentative Eingangstreppen von Firmenegbäuden, Läden und Passagen, aber auch bei klassischen Wohnhäusern. Da das Hauptaugenmerk gerne auf der Gestaltung liegt, rutscht der technische Aspekt schnell mal in den Hintergrund und wird vernachlässigt. Das muss nicht sein, da es auf dem Markt längst bewährte und dauerhafte Verlegesysteme gibt, die Risiken beseitigen und somit Schäden bei Belägen im Außenbereich verhindern.

Ein wichtiger Aspekt bei den Außenbelägen auf Treppen und Podesten ist ihre Wasserdurchlässigkeit. Die Flächen sind stark belastet und müssen mit Hitze, Regen und Frost einiges aushalten. Der Hauptfeind in unseren Breitengraden ist jedoch eindeutig das Wasser, welches über die Fugen in die Belagskonstruktion eindringt. Es ist egal, ob es sich um einen Fliesenbelag, Naturstein oder Betonwerkstein handelt. Wird das eindringende Oberflächenwasser nicht schnell genug abgeleitet, führt das in meist nur kurzer Zeit zu dauerhaften Schäden. Diese reichen von Ausblühungen, Abplatzungen und Frostschäden bis hin zu Feuchteflecken bei Naturstein oder Unkrautwachstum bei lose verlegten Belägen. Um das zu verhindern ist ein geeigneter Aufbau nötig.

Kontrollierte Wasserabführung auf Treppenoberflächen

Die Anforderungen der Nutzer an Außentreppen sind hoch: dauerhaft schön, langfristig schadensfrei, bequem zu begehen, aber vor allem sicher müssen sie sein. Um diese Maßstäbe erfüllen zu können, sind einige Grundregeln zu beachten.
Hier kann der Verleger punkten. Zum einen mit seinem technischen Fachwissen, zum anderen mit der richtigen Auswahl der verwendeten Produktsysteme, die über eine dauerhaft funktionierende und schöne Treppenanlage entscheiden.

Die verschiedenen Grundtypen im Überblick

  • Treppen als Freitreppen: frei auskragend aus Stahlbeton oder Stahl
  • Treppen im Freigelände erdberührt und Kelleraußentreppen aus Stahlbeton oder Dränbeton
  • Treppen, die auch als Dach fungieren

Hauptschadensursache bei Außentreppen ist in den meisten Fällen die fehlende, kontrollierte Wasserabführung auf dem Belag, sowie in der Konstruktion unter dem Belag. Das Niederschlagswasser sollte auf der Belagsoberfläche schnellstmöglich abgeführt werden, damit möglichst wenig in die Konstruktion eindringt und stehendes Oberflächenwasser nicht zu erhöhter Rutsch- und Sturzgefahr auf den Treppen führt. Daher ist bei bewitterten Treppen an Gebäuden ein Funktionsgefälle nach DIN 18065 von mindestens 1,5% bis maximal 3% einzubauen – abhängig von der Ebenheit in Verbindung mit der Rauigkeit der Fliese.

Angrenzende Podestflächen können mit einer Überdachung geschützt werden.

Anschluss des Außenbelags an die Treppe

Gelangt trotzdem Wasser auf die Podeste, sollte nach Möglichkeit nicht über die Treppe entwässert, sondern bestenfalls seitlich oder nach hinten in eine Rinne abgeleitet werden. Besonders bei größeren Podesten bedeutet eine Ableitung über die Treppe eine erhöhte Beanspruchung der Treppenanlage durch Nässe, welches zum Schaden und somit zum Versagen der gesamten Treppenkonstruktion führen kann. Daher sollten vor allem größere Podestflächen grundsätzlich separat entwässert werden. Optisch fügt sich hier eine Schlitzrinne am besten in die Fläche ein. Zu beachten gilt es, dass sich auch am Fußpunkt der Treppe das unterseitig ablaufende Wasser auf keinen Fall anstauen darf. Hier muss gezielt abgeführt werden, z.B durch eine Abflussrinne mit Sickeröffnung.

Schwachstelle Fliesenfuge

Grundsätzlich sind Fliesenfugen nicht dauerhaft wasserdicht herstellbar. Es beginnt im Laufe der Zeit mit feinen Abrissen von den Fliesenkanten, meist durch thermische Spannungen. Somit ist der Weg frei für das Oberflächenwasser, um in den Belagsaufbau zu gelangen. Ist nun unter den Belägen keine gezielte Wasserableitung vorhanden, staut sich das Wasser auf und löst Calciumhydroxid aus dem Verlegemörtel aus. Dieser tritt dann an tiefer liegenden Stellen aus und lagert sich ab, was wiederrrum Verwitterungsspuren in Form unschöner Ausblühungen auf den Belägen hinterlässt.

Ausblühungen und Feuchteflecken auf einer Außentreppe

Besonders knifflig wird es dann, wenn die Treppe noch die Funktion als Dach wahrzunehmen hat. Dann sind Wärmedämmschutzmaßnahmen und eine Abdichtung nach den Flachdachrichtlinien zu berücksichtigen, wie es auch von Dachterassen über Wohnräumen bekannt ist. Auf diesen Flächen können keine Verbundkostruktionen realisiert werden. Außerdem haben wir hier eine sehr viel höhere thermische Belastung, da die Konstruktion die Wärme nicht nach unten z.B in den Betonkörper ableiten kann.

Vorteilhafte Verlegung mit bewährtem Drainagemörtel

Bei den Außentreppen sind die bestehenden Regelwerke und Normen nicht sehr aussagekräftig und machen nur allgemeine Angaben. Die richtige Ausführung und komplizierte Details bleiben hierbei außen vor. Jetzt zeigt sich das Fachwissen des guten Verlegers! Da die Beläge üblicherweise nicht wasserdicht sind, empfiehlt das ZDB-Merkblatt „Außentreppen“ (08.2019), das in den Untergrund eindringende Wasser durch einen drainagefähigen Mörtel (Grobkornmörtel) schnell abzuleiten.

Bei der Verlegung von Natursteinen im Außenbereich ist die Methode auf Dränmörtel seit langem gängig und bewährt. Bei Treppen, als erdberührte Unterbauten, werden Stahlbeton- und Drainbeton-Konstruktionen sehr häufig eingesetzt. Speziell bei Stahlbetonunterbauten sind dann Verbundabdichtungssysteme zu verwenden, auf denen der Drainagemörtel eingesetzt/aufgebracht wird. Der kapillarpassive Grobkornmörtel mit Epoxidharz als Bindemittel, der bereits seit vielen Jahren erfolgreich im codex BalkuDrain System für Balkone und Terrassen eingesetzt wird, hat sich auch auf den Außentreppen bestens bewährt.

Die Vorteile liegen auf der Hand

Zum einen bietet der Drainagemörtel die Eigenschaften eines Dickbettmörtels. Somit können Natursteine mit unterschiedlichen Dicken oder schwere Blockstufen direkt mit einer Kontaktschickt/Haftbrücke in den Drainagemörtel versetzt werden. Zum anderen kann er wie ein Estrich aufgebracht werden und damit alle Arten von frostbeständigen Fliesen und Platten etc. verkleben. Der Vorteil gegenüber einem zementären Estrich oder Dickbettmörtel ist die sehr hohlraumreiche, wasserdurchlässige Struktur. Somit ist gewährleistet, das eindringendes Wasser schnell im Mörtel abgeführt und die gesamte Konstruktion zuverlässig entwässert wird. Eine zusätzliche Drainagematte ist nicht erforderlich und somit auch keine weiteren Befestigungen wie Anker oder eine Bewehrung.

Um den Haftverbund zur Plattenrückseite und zum Untergrund zu erhalten, wird als Haftvermittler entweder das Harz codex ER 100 oder ein geeigneter Fliesenkleber, abhängig vom zu verlegenden Material auf Epoxi- oder Polyurethanbasis, vollflächig aufgebracht. Hier hat das System aufgrund des komplett zementfreien Aufbaus deutliche Vorteile:

  • Keine Kalkausblühungen
  • zuverlässige, schnelle Durchhärtung (Keine Trocknung)
  • deutlich höhere Festigkeit
  • geringere Schichtstärken möglich als mit zementären Materialien
  • absolut wasser- und frostbeständig
  • nahezu schwundfrei
  • hohlraumreiche Struktur
  • kein Kapillarzug (Wasser steigt nicht nach oben zum Belag)

 

Der nicht vorhandene Kapillarzug ist hierbei ein hervorzuhebender Vorteil des Verlegesystems. Denn bei einer nicht ausreichend vollflächigen Bettung des Natursteins kommt es mit diesem System im Gegensatz zur herkömmlichen Mörtelverlegung beim Abtrocknen der Oberfläche zu keinem optischen Mangel.

Trocknungsflecken bei der Verlegung von Naturstein in zementärer Batzentechnik

Fachgerechte Verlegung

Die fachgerechte Verlegung einer Außentreppe in nur wenigen Schritten zusammengefasst.

  1. Zuerst wird der Rohstufenausgleich mit seitlichem Gefällekeil zur Wasserabführung zur Mitte der Stufen hergestellt.

    Außentreppe mit Gefällekeil
  2. Dadurch kann bei offenen Treppenwangen das eingetretene Wasser nicht mehr seitlich unter dem Belag austreten und diese durch Wassernasen verschmutzen.

    Feuchteschaden seitlich am Treppenaufgang
  3. Alternativ kann durch eine Aufkantung an der offenen Treppenseite ein Austreten von Wasser vermieden werden.

    Detailansicht der Treppenwange mit seitlicher Aufkantung
  4. Es folgt das Anbringen der Dichtbänder, Innen- und Außenecken etc. und das Herstellen einer Verbundabdichtung in mindestens zwei Schichten mit einer Trockenschichtstärke von minimum 2mm.
  5. Die Plattenrückseite und den untergrund mit dem angemischten Epoxidharz einstreichen (Haftbrücke). Dann die Tritt- und Stellstufen direkt in den frischen Drainagemörtel einlegen.

    Außentreppe frisch in frisch Verlegung in Drainagemörtel

Mit der beschriebenen Variante ist es möglich, Außentreppen sicher, langlebig und formschön zu verlegen. Die Auswahl der geeigneten Variante und Verlegematerialien sind auch in diesem Fall sehr vielfältig. Somit kann jeder Traum des Bauherren oder Architekten fachgerecht und dauerhaft umgesetzt werden.

 

Joachim Fülle – Leiter codex Anwendungstechnik und Produktmanagement

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